Spielerschutz


1.   Förderung der Grundlagenforschung
2.   Wissenschaftliche Untersuchung des Spielverhaltens
3.   Förderung unterschiedlicher Behandlungsansätze
4.   Aktivierung der Selbsthilfe zur Bewältigung potentieller Probleme
5.   Zusammenarbeit mit Selbsthilfe-Organisationen
6.   Telefonische Spielerberatung
7.   Warnhinweise an Geld-Gewinn-Spiel-Geräten
8.   Spielpause
9.   Zweiergruppen-Aufstellung
10. Schulung des Personals
11. Jugendschutz
12. Kein Alkohol in Spielstätten
13. Plakate und Informationsschriften
14. Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Selbsthilfeeinrichtungen

Anfang der 80er Jahre begann in Deutschland eine u. a. durch die Dissertation von Prof. Dr. Gerhard Meyer, Universität Bremen, angestoßene Kontroverse über mögliche Gefahren im Zusammenhang mit Geldspielautomaten. Die Diskussion wurde zunächst auf der Grundlage von Vermutungen, nicht repräsentativen Untersuchungen sowie von Einzelfällen geführt. Emotionen waren im Spiel. Die letztlich wesentliche Frage, wie nämlich tatsächlich Betroffenen geholfen werden kann, kam in der frühen Phase der Diskussion sicherlich zu kurz.

Verbände, Organisationen und Unternehmen der Unterhaltungsautomatenwirtschaft gingen zunächst auf Distanz und negierten das Vorhandensein der sog. Spielsucht. Jedoch schon in der ersten Hälfte der 80er Jahre wurden von der Unterhaltungsautomatenwirtschaft unter hohen finanziellen Aufwendungen wissenschaftliche Untersuchungen in Auftrag gegeben. Die Problematik sollte hinterfragt, der Umfang ermittelt und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Nachfolgend werden die wesentlichen, seit 1983 von der Unterhaltungsautomatenwirtschaft ergriffenen Maßnahmen zur wissenschaftlichen Untersuchung und zur Prävention des problematischen Spielverhaltens aufgezeigt.

 

1.    Förderung der Grundlagenforschung

Zwischen 1983 und 1991 bearbeitete Prof. Dr. Dr. Johannes C. Brengelmann, damals weltweit führender Verhaltenspsychologe und Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München, im Auftrag der Automatenwirtschaft Fragestellungen zum problematischen Spielverhalten. Prof. Brengelmann differenzierte bei den Ursachen der sog. „Spielsucht“. Prof. Brengelmann zeigte auf, dass für das problematische Spielverhalten in erster Linie anlagebedingte und umweltbezogene Ursachen verantwortlich sind.

Prof. Dr. Dr. J. C. Brengelmann: Ein Automat kann nicht das Grundmuster eines Menschen ändern, in: Exzessives Spielen, Wellingsbüttel 1988.

 

2.    Wissenschaftliche Untersuchung des Spielverhaltens

Durch Längsschnittstudien untersuchte Prof. Dr. Gerhard Bühringer, Direktor des Instituts für Therapieforschung (IFT), München, zwischen 1984 und 1997 den Umfang des problematischen Spielverhaltens und die Fragestellung, ob sich das Spielverhalten in Deutschland im Zeitablauf verändert, insbesondere, ob es zunimmt. Drei Hauptergebnisse lassen sich festhalten:
(1)    Die Parameter zum Spielverhalten in der Bevölkerung haben sich in den letzten 15 Jahren nicht geändert;
(2)    Vielspielen führt nicht automatisch zu spielbezogenen Störungen und
(3)    die Zahl pathologischer Spieler in Deutschland ist nicht zu vernachlässigen, aber deutlich geringer als ursprünglich angenommen (Anlage 1).
Im Herbst 2000 förderten die Verbände der Unterhaltungsautomatenwirtschaft ein von Prof. Bühringer entwickeltes Monitoring-System, um etwaige Veränderungen der untersuchten Parameter zu erfassen.

Dr. Gerhard Bühringer, Dilek Türk, Die Kontroverse um Geldspielautomaten in Deutschland, in: Homo Ludens IX, München und Salzburg 1999.

 

3.    Förderung unterschiedlicher Behandlungsansätze

Fortlaufend seit 1984 werden die Arbeiten von Prof. Dr. med. Iver Hand, Leiter der Verhaltenstherapie-Ambulanz der psychiatrischen und Nervenklinik des Hamburger Universitätskrankenhauses Eppendorf, unterstützt. Prof. Hand geht bei seinen Behandlungsansätzen nicht primär abstinenzorientiert, sondern ursachenbezogen vor. Exzessives Spielen wird als Signal für Fehler in der Lebensführung interpretiert. Die Ursachen müssen gefunden und abgebaut werden. Wichtige Ursachen ergeben sich im Ergebnis der Behandlungsgespräche von Prof. Hand häufig im Zusammenhang mit dem familiären bzw. beruflichen Umfeld.

Prof. Dr. Iver Hand, Die „Suchtbehandlung“ eines Spielers dringt nicht bis zum Kern seiner Erkrankung vor, in: Geldspiele im Blickpunkt, Wellingsbüttel 1994.

 

4.    Aktivierung der Selbsthilfe zur Bewältigung potentieller Probleme

Im Dezember 2000 erteilten die Verbände der Unterhaltungsautomatenwirtschaft der Universität Bremen einen Forschungsauftrag. Das Projekt wurde von Prof. Dr. Gerhard Meyer bearbeitet und zielte auf Entwicklung und Evaluation eines Selbsthilfemanuals für Spieler mit problematischem Spielverhalten hin. Das Manual ist Grundlage für Materialien zur Spieleraufklärung, wie sie gemäß § 6 Abs. 4 Spielverordnung (SpielV) seit dem 1. Januar 2006 vorgeschrieben sind. Den Spielern wird eine Anleitung an die Hand gegeben, um potentielle Probleme selbst bewältigen zu können.

 

5.    Zusammenarbeit mit Selbsthilfe-Organisationen

Die Automatenwirtschaft arbeitet fallbezogen mit dem Arbeitskreis gegen Spielsucht e. V. (Unna und Hamm) zusammen. Insbesondere förderte die Automatenwirtschaft die zwischenzeitlich in 8. aktualisierter und erweiterter Auflage erschienene Untersuchung des Arbeitskreises „Angebotsstruktur der Spielhallen und Unterhaltungsautomaten mit Geldgewinnmöglichkeit in der Bundesrepublik Deutschland“. In der Untersuchung wird deutlich, dass sich die Angebotsseite des gewerblichen Geldspiels im Gegensatz zum staatlichen Spiel in den vergangenen Jahren stark rückläufig entwickelt hat.

 

6.    Telefonische Spielerberatung

Im Ergebnis einer vom Deutschen Bundestag geforderten Freiwilligen Selbstbeschränkenden Vereinbarung (BT-Drs. 11/6224) ist in die Frontscheiben der ca. 200.000 Geld-Gewinn-Spiel-Geräte, die in Gaststätten und Spielstätten aufgestellt sind, lückenlos und unauswechselbar eine Info-Telefonnummer (01801-37 27 00) eingedruckt. Die Telefonnummer ist bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aufgeschaltet. Spieler mit problematischen Spielverhalten sowie deren Angehörige erhalten die Möglichkeit, in persönlichen Kontakt mit einem geschulten Berater der BZgA zu treten. Monatlich laufen durchschnittlich zwischen 60 und 90 Anrufe auf. Über 70 % der Anrufe beziehen sich auf Service-Anfragen und haben nichts mit dem Fragenkomplex des Vielspielens zu tun (Anlage 2). Durch die am 1. Januar 2006 in Kraft getretene 5. Verordnung zur Änderung der Spielverordnung ist das Anbringen der Info-Telefonnummer in § 6 Abs. 4 verbindlich vorgeschrieben.

 

7.    Warnhinweise an Geld-Gewinn-Spiel-Geräten

Neben der Info-Telefonnummer sind in die Frontscheiben aller ca. 200.000 Geld-Gewinn-Spiel-Geräte Piktogramme eingedruckt, über die – ähnlich wie bei entsprechenden Warnhinweisen an Zigarettenschachteln – deutlich gemacht wird, dass übermäßiges Spiel keine Lösung bei persönlichen Problemen darstellt. Die Piktogramme befinden sich in Augenhöhe nahe dem Münzeinwurf (Anlage 3). Sie sind damit deutlich sichtbar und nachhaltig wahrnehmbar. Dies ist einmalig in Europa und wird in keiner Spielbank praktiziert. Auch die Piktogramme sind seit 1. Januar 2006 gemäß § 6 Abs. 4 SpielV verbindlich vorgeschrieben.

 

8.    Spielpause

Seit Anfang der 90er Jahre schalten Geld-Gewinn-Spiel-Geräte nach einer Stunde ununterbrochenen Spiels automatisch für drei Minuten ab. In der Spielpause soll dem längerspielendem Spielgast die Möglichkeit gegeben werden, sein eigenes Spielverhalten zu hinterfragen. Seit 1. Januar 2006 ist eine Spielpause von mindestens fünf Minuten nach einer Stunde Spielbetrieb gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 5 SpielV verbindlich vorgeschrieben.

 

9.    Zweiergruppen-Aufstellung

Die Automatenwirtschaft hat sich in der Freiwilligen Selbstbeschränkenden Vereinbarung vom 15. November 1989 verbindlich zur „Zweiergruppen-Aufstellung“ verpflichtet, die flächendeckend umgesetzt worden ist. Problemspieler sollen vom gleichzeitigen Bespielen von mehr als zwei Geld-Gewinn-Spiel-Geräten abgehalten werden. Im Rahmen der Aktion „Vorbildliche Spielstätte“ der Automaten Wirtschaftsverbände Info GmbH (AWI) wird unter anderem auch die Zweiergruppen-Aufstellung von Geld-Gewinn-Spiel-Geräten kontrolliert. Seit 1. Januar 2006 ist die Zweiergruppen-Aufstellung gemäß § 3 Abs. 2 SpielV verbindlich vorgeschrieben.

 

10.    Schulung des Personals

Ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit dem Bemühen, einem übersteigerten Spiel weniger Spielgäste entgegenzuwirken, ist die Personalschulung. Zahlreiche Spielstättenbetreiber unterweisen ihr Personal sehr intensiv mit dem Ziel, problematische Spieler frühzeitig zu erkennen und einem unkontrollierten Spiel entgegenzuwirken. Die Schulung des Personals wird seit 1997 neutral und professionell vom Weiterbildungszentrum der IHK Bonn/Rhein-Sieg im Zusammenhang mit Zertifikatslehrgängen durchgeführt.

 

11. Jugendschutz

Die jugendschutzrechtlichen Bestimmungen werden in Spielstätten strikt eingehalten. Signifikante Verstöße gegen das Verbot des Aufenthalts junger Menschen unter 18 Jahren sind nicht bekannt. So wurden z.B. in einer großen, bundesweit tätigen Spielhallenkette seit 2001 bei fast 1.000 Kontrollen und zig-zehntausenden von Spielgästen nur 42 Personen unter 18 Jahren in den Spielstätten angetroffen. Keinem davon war nach dem Zutritt die Anwesenheit gestattet. Die Aufsichten in den Spielstätten nehmen ihre Aufsichtspflichten sehr ernst und in vollem Umfang wahr. Wenn es offensichtlich zweifelhaft ist, ob ein Gast in einer Spielstätte 18 Jahre alt ist, wird er gebeten, sich zu legitimieren.

 

12. Kein Alkohol in Spielstätten

Auf Betreiben der Unterhaltungsautomatenwirtschaft wurde in die am 19. Dezember 1985 erfolgte Änderung der Spielverordnung die Vorschrift aufgenommen, dass in Spielhallen, in denen mehr als zwei Geld-Gewinn-Spiel-Geräte aufgestellt sind, kein Alkohol ausgeschenkt werden darf. Diese Regelung soll sicherstellen, dass die Spieler stets einen „klaren Kopf“ behalten und in vollem Umfang wissen, was sie tun. In Gaststätten ist eine solche Forderung nicht erforderlich, da dort das Spiel nicht im Mittelpunkt steht und auch stets eine soziale Kontrolle unter den Gästen herrscht.

 

13. Plakate und Informationsschriften

Durch verschiedene Plakate einzelner Unternehmensgruppen aus der Unterhaltungsautomatenwirtschaft bzw. von verschiedenen Verbänden werden Spielgäste sowie Mitarbeiter bezogen auf die Problematik des Vielspielens sensibilisiert. Mittels Informationsschriften wird in Spielstätten auf die mögliche Problematik exzessiven bzw. unkontrollierten Spielverhaltens hingewiesen. Seit Übernahme der Telefonberatung durch die BZgA finden Informationsmaterialien der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren Verwendung. Das Auslegen von Informationsschriften in Spielhallen ist seit 1. Januar 2006 gem. § 6 Abs. 4 SpielV verbindlich vorgeschrieben.

 

14.     Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Selbsthilfeeinrichtungen

Vertreter der Automatenwirtschaft nehmen von Zeit zu Zeit an „Runden Tischen“ teil. So z.B. seit 1999 an Gesprächsrunden, die durch den Regierungspräsidenten von Arnsberg moderiert werden. 2003 hat die Hamburgische Gesundheitsbehörde einen „Runden Tisch Glücksspielsucht“ eingerichtet, an dem neben der Automatenwirtschaft auch die Spielbanken und Vertreter der Suchtverbände teilnehmen. Die Gespräche dienen dem Informationsaustausch, dem wechselseitigem Verständnis und der Förderung von Maßnahmen zur Prävention problematischen Spielverhaltens. Dies erfolgt im Dialog zwischen Politik, allen Anbietern von Geld- und Gewinnspielen, der Wissenschaft und Selbsthilfeeinrichtungen.

 

Autoren:
Dr. Jürgen Bornecke
Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie e.V. (VDAI)

Rechtsanwalt Harro Bunke
Geschäftsführer des Bundesverbandes Automatenunternehmer e.V. (BA)

Quelle: Bundesverband Automatenunternehmer e. V.